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Patienteninformation zur
Corona-Impfung

Stand 12.3.2021

Seit wenigen Wochen sind die ersten Impfstoffe der Firmen BioNTech, Moderna und AstraZeneca zur Impfung gegen SARS-CoV-2 (auch als »Corona« oder »COVID-19« bekannt) zugelassen. Impfstoffe simulieren eine Infektion mit einem Erreger, ohne die eigentliche Erkrankung auszulösen. Das Immunsystem wird auf ein Virus trainiert und entwickelt Abwehrzellen, die den eigentlichen Erreger sofort erkennen und sogenannte Antikörper produzieren. Als Ziel dieser körperlichen Abwehr – sozusagen als Trainingsobjekt – dient bei allen inzwischen zugelassenen Covid-Impfstoffen das Stachelprotein an der Oberfläche des Coronavirus. Alle drei Impfstoffe sind keine sogenannten Lebendimpfstoffe.
Da wir zur Zeit häufig dieselben Fragen gestellt bekommen, hier einige allgemeine Informationen zur Impfung.

Was ist ein RNA-Impfstoff?

RNA (Ribonukleinsäure) ist ein Bauplan für ein Protein. Sie ist nicht Teil der DNA (Desoxy-Ribonukleinsäure, also unseres Genoms), sondern in menschlichen Zellen nur die Abschrift eines umschriebenen Teils der DNA. Bei einem RNA-Impfstoff werden kleine Teile der Bauanleitung (RNA) des Erregers, beispielsweise in Micro-Fetttröpfchen, verpackt und in den Körper injiziert. Auf diesem Konzept beruhen die beiden ersten zugelassenen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 in Deutschland (BioNTech, Moderna). Die RNA enthält Informationen (Baupläne) von Proteinen des Coronavirus (Spikeprotein) die für die Infektion gebraucht werden. Die menschlichen Zellen produzieren dann vorübergehend diese Proteinstrukturen des Virus und geben sie nach außen ab. Diese werden dann vom Immunsystem erkannt und eine Immunität hergestellt. RNA dringt auch bei vielen viralen Infekten (z.B. Grippevirus) in Zellen des Körpers ein, mit der Folge, dass dann große Proteine des Virus hergestellt werden. Somit ist der o.g. Ablauf für den Körper nicht neu. Die genannte RNA-Technologie wird von den Firmen BioNTech und Moderna bereits seit Jahren mit guter Verträglichkeit in der Krebstherapie eingesetzt.

PhD Martin Moder, österreichischer Molekularbiologe, erklärt die Wirkweise und potentiellen Risiken der mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19. (Video des Robert-Koch-Instituts)

Kann die Impfung bei einer Multiplen Sklerose durchgeführt werden?

Prinzipiell ja. Bisher gibt es keine Hinweise, dass die Impfung nicht bei Autoimmunerkrankungen durchgeführt werden kann. Der Impfstoff kann in die bisherigen Kategorien Tot-Impfstoff oder Lebend-Impfstoff nicht eingeordnet werden. Virale Infekte (Grippe) können auch Schübe auslösen. Vermutlich ist die schubauslösende Wirkung einer Impfung geringer als die einer Infektion.

Die DGN (Deutsche Gesellschaft für Neurologie) äußert sich wie folgt:
»Grundsätzlich stellt die Diagnose MS keine Kontraindikation gegen Impfungen im Allgemeinen sowie auch gegen die Impfung gegen SARS-CoV-2 dar, die Betroffenen sollten also gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts geimpft werden. Bei Patienten unter Immuntherapie sind jedoch laut Stellungnahme verschiedene Aspekte zu beachten. Die neuen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Die mRNA wird nur von wenigen Körperzellen aufgenommen, die in Folge Proteine produzieren, die das Immunsystem aktivieren. Im Gegensatz zur Lebendimpfung werden bei diesen zunächst zugelassenen Impfstoffen keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger verabreicht. Das neuartige mRNA-Impfprinzip wird daher von den Experten konzeptuell den Totimpfstoffen zugeordnet.«

Update der DGN vom 10.03.2021:
Die zunehmend verfügbar werdenden Impfstoffe gegen das Corona-Virus wecken begründete Hoffnung, dass die aktuelle Pandemie von SARS-CoV-2 ihren Schrecken verlieren könnte. Gleichzeitig stellen sich insbesondere für Betroffene mit neurologischen Autoimmunerkrankungen (wie der Multiplen Sklerose, Myasthenia gravis, Autoimmun-Enzephalitis, CIDP, Neuromyelitis Optica Spektrumerkrankungen [NMOSD], Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein [MOG] assoziierten Erkrankungen [MOGAD], Vaskulitis, Neurosarkoidose) Fragen bezüglich der mit einer Impfung verbundenen Risiken, der Auswahl des Impfstoffs und der Rolle immunsuppressiver oder immunmodulatorischer Medikamente.
Unter ständiger Beobachtung der aktuellen Situation ist nach Einschätzung der Klinischen DGN-Kommission Neuroimmunologie in aller Regel eine Impfung zu befürworten, allerdings werden sich auf einige Fragen erst in den nächsten Monaten wissenschaftlich fundierte Antworten ergeben.
Die folgenden Fragen stehen dabei im Vordergrund:

1) Sollten Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen eine Impfung erhalten?
Da einige Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen Risikofaktoren für einen komplizierteren COVID-19-Verlauf haben oder entwickeln können (z.B. bei einer Schwäche der Schluck- oder Atemmuskulatur bei der Myasthenie oder einer fortgeschrittenen Multiplen Sklerose mit einem hohen Behinderungsgrad), ist ein zusätzlicher Schutz vor der Ansteckung durch eine wirksame und sichere Impfung sehr sinnvoll.

2) Welche Impfstoffe stehen für Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen derzeit zur Verfügung?
In Europa haben die COVID-19-Impfstoffe von BioNTech, Moderna und AstraZeneca eine Zulassung. Alle drei stellen eine neue Generation genbasierter Impfstoffe dar, für die die traditionelle Einteilung in Tot- und Lebendimpfstoffe nicht mehr voll anwendbar ist. Dennoch gilt, dass keine vermehrungsfähigen Viren geimpft werden. Beim BioNTech- und Moderna-Impfstoff wird nur ein bestimmter Teil der Virus-Erbinformation (sogenannte mRNA) gespritzt, beim AstraZeneca-Impfstoff dienen nicht-vermehrungsfähige Adenoviren (sogenannte Vektoren) dazu, den Bauplan für ein SARS-CoV-2-Oberfächenprotein einzuschleusen. Der Zulassung dieser drei Impfstoffe gingen sorgfältige klinische Prüfungen voraus.

3) Haben Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen ein erhöhtes Risiko, Nebenwirkungen einer Impfung gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln?
In kurzer Zeit wurden bereits viele Millionen Menschen mit den neuen Impfstoffen behandelt, besonders viele Daten gibt es aus Israel, den USA und Großbritannien. Bisher gibt es keine Hinweise, dass Patienten mit einer neurologischen Autoimmunerkrankung ein erhöhtes Risiko haben, Nebenwirkungen der Impfung zu entwickeln. Impfreaktionen, z.B. Fieber, können symptomatisch behandelt werden. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Impfung um ein Vielfaches besser vertragen wird als die natürliche Infektion mit SARS-CoV-2.

4) Sollte ich einen bestimmten Impfstoff bevorzugen?
Inzwischen liegen Erfahrungen an weltweit vielen Millionen Geimpften sowohl mit den mRNA-Impfstoffen (BioNTech und Moderna) als auch mit dem Vektor-Impfstoff (AstraZeneca) vor. Es ist von einer hohen Sicherheit der Anwendung auch bei Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen auszugehen. Eine Impfung mit dem jeweils verfügbaren Impfstoff ist klar zu empfehlen. Dabei ist gemäß der Priorisierungsempfehlung durch die Ständige Impfkommission vorzugehen.

5) Was ist hinsichtlich der Fortführung der Immuntherapie zu beachten?
Immuntherapeutische Medikamente sind ein wichtiger Teil der Therapie von Autoimmunerkrankungen und die Unterbrechung der Behandlung kann zu einer deutlichen Verschlechterung führen. Gemäß der Einschätzung der STIKO ist zu erwarten, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe bei immunsupprimierten Personen in Abhängigkeit von Art und Ausmaß der Immundefizienz geringer ausfallen wird. Es gibt aber bisher keine Hinweise, dass die Immuntherapie zu mehr Nebenwirkungen oder einer schlechteren Verträglichkeit führt, eine Unterbrechung der Therapie ist nicht sinnvoll. Laufende Studien werden zeigen, ob eine Kontrolle des Impferfolgs (zum Beispiel durch Bestimmung neutralisierender Antikörper nach der Impfung) für die weitere Beratung und Behandlung von Patienten hilfreich sein kann.

6) Bleiben sonstige Schutzmaßnahmen erforderlich?
Für alle Patienten ist es sinnvoll, auch nach der Impfung Allgemeinmaßnahmen zum Infektionsschutz vor Erkältungskrankheiten zu berücksichtigen.
Weiterführende Links, insbesondere zu einzelnen Patientengruppen (Multiple Sklerose, Myasthenie), zu Impfstoffen und allgemeinen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) siehe unten.

Ist die Impfung während einer MS-Therapie möglich?

Nach den bisherigen Erkenntnissen ist bei allen MS-Therapeutika eine Impfung möglich. Noch nicht geklärt ist, ob insbesondere bei den Antikörpern gegen B-Lymphozyten oder Lymphozyten-reduzierenden Medikamenten (Ocrelizumab, Fingolimod, Cladribin) schon nach zwei Impfungen eine ausreichende Wirkung vorhanden ist. Gegebenenfalls muss hier eine dritte Impfung erfolgen.

Wie oft muss ich geimpft werden?

Es sind 2 Impfungen im Abstand von etwa 3 Wochen (BioNTech) bis 4 Wochen (Moderna) empfohlen. Der Impfstoff von AstraZeneca sollte erneut nach 10-12 Wochen gegeben werden.

Was sind Nebenwirkungen der Impfung?

Bei dem Impfstoff der Firma BioNTech wurde den Zulassungsbehörden eine Studie mit fast 22.000 geimpften Probanden versus ebenfalls 22.000 mit Plazebo behandelten Probanden vorgelegt. Die Nachbeobachtung betrug 4 Monate. Etwa 80% der mit Wirkstoff behandelten Probanden hatten an der Einstichstelle Schmerzen. 5% hatten eine leichte lokale Rötung oder Schwellung. Weitere durch den Wirkstoff bedingte Nebenwirkungen waren Fieber bis 38,5° C. (4% bei der ersten Impfung, 15% bei der zweiten Impfung). Bei der zweiten Impfung hatten 0,7% der Probanden Fieber bis 40°C. Weitere vorübergehende Nebenwirkungen: Abgeschlagenheit 30%, Kopfschmerzen 10%, Kältegefühl 15%, Muskelschmerzen 20%. Fiebersenkende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol dürfen nach der Impfung eingenommen werden.
Bei dem Impfstoff der Firma Moderna wurden 15.181 Probanden mit dem Wirkstoff behandelt. Die Nebenwirkungen sind etwa vergleichbar mit denen von BioNTech. Nach den bislang vorliegenden medizinischen Daten sind keine relevanten Unterschiede bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit zwischen den Impfstoffen von BioNTech oder Moderna zu erkennen.

Wie komme ich an eine Impfung?

Da nicht alle von Anfang an geimpft werden können, wird von Seiten der Gesundheitsämter priorisiert. Zuerst werden die Risikogruppen geimpft. Wann Sie genau geimpft werden können, erfahren Sie am besten aus der Presse. Eine Aufforderung zur Impfung wird nicht erfolgen.

Zur Impfung anmelden können Sie sich wie folgt:
Telefonisch über die 116117 (häufig überlastet) oder im auch im Internet über www.116117.de oder www.impfterminservice.de.

Nützliche Links und Downloads

Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur COVID-19-Impfung und speziell zum AstraZeneca-Impfstoff:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Impfempfehlung-Zusfassung.html
https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/AstraZeneca-Impfstoff.html

Über Impfstoffsicherheit informiert das Paul-Ehrlich-Institut in regelmäßigen Sicherheitsberichten:

https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html

Stellungnahme der Deutschen Myasthenie-Gesellschaft (DMG):

https://dmg-online.de/aktuell/aktuelle-informationen-zur-covid-19-impfung-von-patienten-mit-myasthenen-syndromen-1.-aktualisierung

Stellungnahme der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG):

https://www.dmsg.de/corona-virus-und-ms/impfung0/

PRESSEMITTEILUNG
KKNMS

Stellungnahme des Kompetenznetzes Multiple Sklerose KKNMS zu Impfungen einschließlich gegen SARS-CoV-2 (auch unter Corona oder COVID-19 bekannt)
bei MS-Betroffenen.

Download PDF

VERORDNUNG
des Bundesministeriums für Gesundheitzum

Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 vom 8.2.2021

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IMPFHINWEISE
der DMSG

zu Covid-19-Impfstoffen und zum Zugang zur Corona-Schutzimpfung bei MS vom 8.2.2021

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